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Der schwarze Tod

"Einmal," sagte Castle, "als ich ungefähr fünfzehn war, gab es hier in der Nähe eine Meuterei auf einem griechischem Schiff, das mit einer Ladung Korbmöbel von Hong Kong nach Havanna unterwegs war. Die Meuterer brachten das Schiff unter ihre Kontrolle, konnten es aber nicht steuern und ließen es auf die Felsen nahe bei 'Papa' Monzanos Schloß auflaufen. Alle ertranken, mit Ausnahme der Ratten. Die Ratten und die Korbmöbel kamen an Land."

Das schien das Ende seiner Geschichte zu sein, aber ich war mir nicht sicher. "Und?"

"Und so bekamen einige Leute Gratismöbel und einige Leute bekamen die Beulenpest. In Vaters Krankenhaus hatten wir vierzehnhundert Todesfälle innerhalb von zehn Tagen. Haben Sie jemals jemanden gesehen, der an Beulenpest gestorben ist?"

"Dieses Unglück ist mit bisher erspart geblieben."

"Die Lymphdrüsen in der Leiste und in den Achselhöhlen schwellen auf die Größe einer Grapefruit an."

"Ich kann es mir gut vorstellen."

"Nach dem Tod färbt sich der Körper schwarz. Kohlen nach Newcastle was San Lorenzo angeht. Nachdem die Pest alles beherrschte, sah das Haus der Hoffnung und Barmherzigkeit im Dschungel aus wie Auschwitz oder Buchenwald. Wir hatten solch einen Stapel Toter, daß in der Tat ein Bulldozer steckenblieb, der versuchte, sie in ein Massengrab zu schaufeln. Vater arbeitete Tag und Nacht ohne Schlaf, arbeitete nicht nur ohne Schlaf, sondern auch ohne viele Leben zu retten."
[...]

Kurt Vonnegut"Jedenfalls blieb ich in einer schlaflosen Nacht mit Vater wach, während er arbeitete. Alles was wir machten, war nach einem lebenden Patienten zu suchen, den wir hätten behandeln können. In einem Bett nach dem anderen fanden wir Tote.
Und dann fing Vater an, zu kichern," fuhr Castle fort.
"Er konnte nicht mehr aufhören. Er ging mit seiner Taschenlampe in die Nacht hinaus. Er kicherte immer noch. Er ließ den Strahl seiner Taschenlampe über die toten Menschen tanzen, die dort draußen aufgestapelt lagen. Er legte mir seine Hand auf den Kopf und wissen Sie, was dieser wunderbare Mann zu mir sagte?"

"Nope."

" 'Sohn', sagte mein Vater zu mir, 'eines Tages wird das alles dir gehören.' "

Kurt Vonnegut, Cat's Cradle, © 1963,
übertragen aus dem Amerikanischen von McLibboc, 1987.

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